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Mehr Durchblick mit Augenbinde - Hans Schlegel: Aratanka-Tierkommunikation
Author: Gabriele Schneider
Partner Hund - Ausgabe 02/2002
Wer einsteigen möchte in die perfekte Kommunikation mit Tieren, wer neue Ebenen im Umgang mit Hunden öffnen möchte, der ist im Schweizer Gansingen nahe Basel richtig! Im Schnelldurchlauf und mit der gewohnten Knopfdruckmentalität geht das allerdings nicht. Der Weg ist lang und beginnt mit einer Reise ins Ich.
Nein, übersinnliche Kräfte besitzt Hans Schlegel nicht, obgleich der Eindruck entsteht, wenn man den Mann mit Hunden arbeiten sieht. Wenn man beispielsweise die faszinierende Vorführung mit seinem einjährigen Hund Malik bewundert, der voll auf seinen Herrn konzentriert ist, der nicht sieht, was rings um ihn geschieht, der die Kommandos Sitz, Platz und Steh auf Distanz in unglaublicher Geschwindigkeit und Selbstsicherheit ausführt, ohne dass der Zuschauer auch nur ein einziges Handzeichen wahrgenommen, ein einziges Kommando vernommen hätte. Oder wenn man diesen höchst aggressiven Schäferhund-Rüden, der seinen eigenen Besitzer schon übel zugerichtet hat und der in vielen qualvollen Hundeschulstunden nur schärfer wurde, plötzlich an Schlegels Seite wie ein Lamm laufen und voller Vertrauen zu ihm aufblicken sieht. Oder wenn man sich vorstellt, dass Polizeihundeführer in USA und Südafrika Hans Schlegel als Trainer und Berater einfliegen lassen. Auch in seiner Heimat ist Hans Schlegel die erste Adresse, wenn es um Fragen der Hundeausbildung oder um Problemhunde geht.
Schritt für Schritt
vorgehen
Eine Methode ist dieser virtuose Umgang, den Hans Schlegel mit Hunden pflegt, nicht. Schon eher ein Konzept, das von A–Z stimmig ist. Das nicht funktioniert, wenn nicht ein Rädchen ins andere greift, wenn nicht die Pfeiler, die das Fundament seiner Ausbildung darstellen, nacheinander aufgebaut werden: Also erst die Kommunikation, dann die Prägung auf den Hundebesitzer, dann die Motivation zu einer gewünschten Handlung mit dem Lernspiel (nur hier sind Hilfen erlaubt), dann der triebliche Lernschritt (nur mit verbalen und nonverbalen Kommandos) und schließlich die Fixierung des Erlernten. Danach käme dann die Verhaltensauffälligkeit und schließlich die Korrektur oder Therapie. Probleme entstehen, sagt Schlegel, wenn die Leute die Hunde sinnlos und unbeaufsichtigt herumlaufen lassen, bevor sie überhaupt erzogen sind, weil dann Umweltreize von außen ungefiltert auf den Hund einwirken, mit denen er nicht umgehen kann.
Moderne Erziehungshilfsmittel (Spielzeug, Wurst etc.) benutzt Schlegel nur im Lernspiel. Halti, Clicker, Brustgeschirr – das alles lehnt er ab, weil es eigentlich nur ausdrückt, dass Versäumnisse im Auf-bau der Ausbildung geschehen sind,
dass Lernschritte übersprungen wurden. Wenn man Schritt für Schritt methodisch und didaktisch sauber arbeitet, sagt Schlegel, wenn man Korrekturen nicht erst dann anbringt, wenn „das Kind schon im Brunnen ist“, dann braucht man solche Erziehungshilfsmittel nicht. Er selbst arbeitet im Korrekturbereich nur mit einer langen dünnen Leine, um den Hund auf die Bewegungen des Hundeführers zu sensibilisieren. Überhaupt plädiert Schlegel dafür, dass wieder mehr Herz, Bewegung, gesunder Menschenverstand – und weniger Technik in die Ausbildung fliest. Bewegung und Streicheleinheiten sind das Fundament für jegliche Ausbildung, sagt er. Und die Kommunikation zwischen Hundebesitzer und Hund ist der erste und wichtigste Ausbildungspfeiler überhaupt.
Bei dieser Verständigung mit dem Hund fängt bei Hans Schlegel jeder Kurs an oder besser – davor noch – mit der Schulung des Halters. „Auch bei Problemhunden löst man zuerst das Führerproblem; der ganz kleine Teil ist dann der Hund.“ Die Menschen mental darauf vorzubereiten, dass sie dem Hund offen, ehrlich, stark und zuversichtlich gegenübertreten, dass sie ihr Innenleben aufräumen, die Regale der Seele von schlechten Erfahrungen säubern, das besorgt Schlegels Partner, Mark Steiner, mit seinem besonders unterhaltsamen, mentalen Training. „Ein Hund kann sich immer nur so wohl fühlen wie der, der dahinter steht.“ Und „ein Hund kann einem Bündel Mensch voller Traurigkeit, Hektik, bösen Erwartungen und Unsicherheit niemals vertrauen“. Erst nach der inneren Dusche beginnt der eigentliche Hunde-Erziehungskurs.
Ein langer und
harter Weg
Aratanka-Tierkommunikation hat Hans Schlegel – der früher mit Raubkatzen arbeitete, der mehr als ein Jahr lang allein unter Wölfen lebte, der seit 25 Jahren Hunde für jeden Zweck und für alle Einsätze ausbildet – vor etwa 15 Jahren kennen gelernt, in einem Ort in der Wüste Arizonas. Ein Schamane vom Stamme der Navajos lehrte Schlegel, seine Energie, seine Schwingungen, seine Kräfte wahrzunehmen und sich so ganz neue Kanäle, geistige Drähte zu Hunden, zu erschließen. Der Indianer hat mit Aratanka (das heißt: Wolfskraft) bei so manchem Nutztier seines Stammes Verspannungen gelöst, Unwohlsein lokalisiert und den Heilungsprozess eingeleitet.
Vor zwei Jahren begann Hans Schlegel, Aratanka-Tierkommunikation auch an seine Schüler weiterzugeben. Dass es andere Formen der Kommunikation mit dem Hund gibt als Hör- und Sichtzeichen, als Leckerchen und Clicker, das will er die Menschen lehren, dafür will er sie sensibilisieren. Dass es ein strenger und harter Weg ist, das gibt er gerne zu. Er beginnt damit, dass Hans Schlegel seinen Schülern die Augen verbindet, sie an mehreren Hunden vorbeiführt und sie so in die Konzentration vertieft, dass sie die Nähe ihres Hundes spüren. Die nächste Übung läuft wieder mit verbundenen Augen ab, „weil Menschen ohne Sehen erst andere Sinne öffnen“. Sie müssen mit zwei Fingern vorgegebene Punkte am Hundekörper ertasten, die den Hund beruhigen. Machen es die Schüler richtig, quittiert es der Hund mit Hinlegen, machen sie es gut, schläft er ein. Jeder Mensch, sagt Schlegel, kann 70 von 159 vorhandenen Punkten finden; jeder Mensch kann lernen, auf mehreren Wahrnehmungsebenen mit seinem Hund zu kommunizieren. Erst dann ist eine intakte Verständigung und damit auch effektives Lernen möglich. Und irgendwann hat man dann einen Hund wie Malik.
INFO
Wolfsprung Kennels Laubberg,
Hans Schlegel, CH-5272 Gansingen.
Tel. 0041/62/875 25 00.
www. wolfsprung-kennels.ch
Ausbildung von Diensthunden,
Sporthunden, Familienhunden, Privatlektionen, Welpenprägung.
Eine Trainerstunde bei Hans Schlegel kostet sfr. 235,–; bei seinen Ausbildern sfr. 180,–; Gruppenkurs sfr. 1.450,–






