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Mein Weg liegt in der Mitte
Author: Saskia Brixner
Partner Hund - Ausgabe 09/2005
\"Partner-Hund\"-Redakteurin Saskia Brixner im Interview mit dem Schweizer Hundetrainer Hans Schlegel
PH: Was ist das Besondere an Ihrer Methode des „Dog Training System®“? Hans Schlegel: Beim DTS® System wird vorrangig mit dem Hundehalter (80%) gearbeitet, damit der Hund (20%) konfliktlos lernen darf. Jeder Hund braucht einen Zieldenker mit einem großen Herzen. Einzigartig dürfte sicherlich sein, dass wir die breite Palette vom sensiblen Welpen bis zum sensiblen ängstlichen Hund, ja bis hin zum agressiven Problemhund individuell und unter Berücksichtigung der rassespezifischen Eigenheiten betreuen können. Angenehm für den Kunden, denn alle Trainer vertreten die gleiche Fachsprache. So kann jeder Teilnehmer konfliktlos lernen, weil es eben keine unterschiedlichen Aussagen gibt.
PH: Ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit ist die Zucht und Ausbildung von Polizeihunden. Arbeiten Sie hier anders als mit Familienhunden?
Hans Schlegel: Die Ausbildungsprozesse unterscheiden sich in jedem Bereich gewaltig. Jede Ausbildungsrichtung ist grundverschieden. Vor allem die moderne Familienhundeausbildung hat einen ganz bestimmten Touch. Dies hier in einem kurzen Interview zu schildern ist leider unmöglich.
PH: Befürworten Sie gewaltfreie Hundeerziehung oder sollte man Problemhunden lieber erst mal zeigen, wer „das Sagen“ hat?
Hans Schlegel: Es gibt klar zwei Fronten. Zum einen die alten Hardliner und zum anderen die modernen Super- Mega-Obersoftis. Beide Extreme bewegen wenig, weil diese nicht den natürlichen Ansprüchen eines domestizierten Raubtieres entsprechen. Mein Weg liegt in der Mitte. „So herzlich wie möglich – so streng wie notwendig!“
PH: Wie läuft Ihre Schulung von Familienhunden ab?
Hans Schlegel: Wir beginnen mit einer intensiven Ferienwoche „In Freiheit erzogen“ und arbeiten beim Familienhund ausschließlich auf Spaziergängen. Das heißt dort, wo sich die Leute aufhalten. Die Nachbetreuung erfolgt ebenfalls über gezielte Lernkontrollen, die individuell gebucht werden.
PH: Gehen Sie bei allen Hunden unabhängig von der Rasse und der Vorgeschichte im Prinzip gleich vor oder behandeln Sie jeden individuell?
Hans Schlegel: Wir arbeiten sehr spezifisch. Das Vertrauen steht immer an oberster Stelle. Die Lernprozesse und die Lernziele sind somit lückenlos. Nur so kann das harmonische Miteinander entstehen. Das Ziel ist ein umweltfreundlicher und fröhlicher Hund, der von einer verantwortungsbewussten Persönlichkeit geführt und gelenkt wird.
PH: Sie setzen als Co-Trainer einen Fuchs ein. Wie kam’s dazu und was macht er?
Hans Schlegel: Pipo ist folgsam wie ein Hund und versteht sich mit Hunden und Menschen prächtig. Er wurde im Wald gefunden, mit acht Wochen zu mir gebracht, und wir entwickelten in kurzer Zeit eine unglaubliche Freundschaft. Er ist mein wichtigster Co- Trainer bei den Wochenkursen für wildernde Hunde.
PH: Wie bringen Sie den Kursteilnehmern bei, die neuen Erkenntnisse daheim umsetzen?
Hans Schlegel: Das ist mein großes Geheimnis und ein Erlebnis zugleich. Die Unterschiede werden klar, wenn man in einem Kurs gewesen ist. Dass die Teilnehmer die neuen Erkenntnisse umsetzen wollen, ist das Ziel des Kurses und setzt eine ehrliche und tiefe Verbindung mit Mensch, Tier und Coach voraus.
PH: Was sind die Hauptprobleme, mit denen Hundehalter zu Ihnen kommen?
Hans Schlegel: Zu mir kommen alle Hundehalter mit den verschiedensten Bedürfnissen, die wir dank unserer Erfahrungen auch umsetzen können. Am liebsten habe ich ganz ängstliche und feinfühlige Hunde. Spezialisiert sind wir in allen Therapiebereichen. Vor allem bei schwer auffälligen Hunden gelten wir oft als letzte Anlaufstelle. Ich wünschte mir, die Halter würden früher kommen, es wäre viel einfacher für Mensch, Hund und Coach.
PH: Wo liegt das Klientel Ihrer Kurse, die nicht für jeden Geldbeutel gemacht scheinen?
Hans Schlegel: Unsere Ausbildungswochen und Kurse sind im Rahmen des normalen Volkes. Das zeigt auch die Beteiligung, denn es sind alle Schichten ausgeglichen vertreten. Es ist weniger die Preisfrage, sondern viele Teilnehmer wollen eine Knopfdrucklösung mit wenig Aufwand. Das gibt es bei der Hundeausbildung zum Glück nicht. Der Teilnehmer muss gewillt sein, sich diszipliniert zu verändern. Denn jeder auffällige Hund braucht einen Halter, der das störende Verhalten zulässt! Zurück zum Geld: Ist etwas gut und erfolgversprechend, sparen die Leute auch heute noch gerne. Es stimmt nämlich nicht, dass alles teurer wird. Man muss nur mal versuchen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, für das man aus Berufung geschaffen ist.
PH: Welche Schulung durchlaufen die DTS® Trainer?
Hans Schlegel: Die Ausbildung dauert vier Jahre. Das Motto lautet: Wenn wir vorzeigen, muss die Wirkung größer sein,als wenn wir reden! Ich bin dafür, dass Hundehalter viel kritischer sein sollten. Wenn ein Hundetrainer mit dem eigenen Hund nicht vorzüglich außerhalb des Arbeitsplatzes vorzeigen kann, ist er unglaubwürdig. Wenn der Hund eines Hundetrainers selber rauft, was will er denn seinem Kunden beibringen? ... vielleicht, dass dieser fünf Sekunden später rauft???
PH: Sie haben gerade eine DVD herausgebracht. Was ist die Thematik? Welche Hundehalter wollen Sie erreichen?
Hans Schlegel: Die DVD ist gelungen. Wir haben bereits in der Vorbestellung schon über 1.500 verkauft. Der Inhalt ist die moderne Familienhundeausbildung nach den Grundregeln der Verantwortungskynologie. Am Ende der Ausbildung erfreut man sich an einem freien und freudigen Familienbegleithund. Der Mensch steht auch hier im Vordergrund, und mit seinen neu gewonnenen Erkenntnissen kommuniziert und trainiert er mit dem Hund.






