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Sportsfreund und Seelchen

Author: Gabriele Schneider

Ein Herz für Tiere - Ausgabe 01/2001

Sein hübsches Fellkleid, seine praktische Größe und seine Anhänglichkeit lassen die Herzen schmelzen. Am Kooikerhondje kommt keiner vorbei, der ihn nicht streicheln oder beobachten möchte. Auch wenn er nicht so aussieht: Dieser
hübsche Kerl stellt einige Anforderungen an den Besitzer.

Auch wenn die Rasse weitgehend unbekannt ist, dieser Hundetyp ist jedem schon mal begegnet. Ähnlichkeiten mit dem Kooiker haben viele Mischlinge des Mittelmeerraums und des Abendlandes, die in der praktischen Größe, in diesen Fellfarben und mit mehr oder weniger langem Haarkleid überall ihr Dasein, manchmal unter harten Bedingungen, fristen. Solche kleinen Spaniels, die sich mit wachsamen Pinschern und Spitzen paarten, hatte das einfache Volk für alle
Zwecke parat, für das Aufstöbern von Federwild, für das Freihalten der Ställe und Äcker von Mäusen und Maulwürfen, als Türglocke, als Wärmflasche etc. Historische Dokumente dieser praktischen Kameraden gibt es nicht nur in Italien und Frankreich, sondern in ganz Europa, wo kleine meist rotweiße Vogelhunde schon seit dem frühen Mittelalter vom Adel und reichen Bürgern gezüchtet und geschätzt wurden. Von seinem ererbten Fürstentum in Südfrankreich oder von seinen Reisen nach Spanien hatte Wilhelm von Oranien (1533 bis 1584), Statthalter in den Niederlanden, ein solches Hündchen mitgebracht, das ihm sogar einmal das Leben gerettet haben soll. Wilhelm oder Willem hatte jede Menge Feinde unter Spaniern und niederländischen Katholiken. Das Tier habe, so lautet die Sage, mit seinem Herrn die Bettstatt geteilt (was es noch heute gerne tut), und als die Mordlustigen ins Schlafgemach des Regenten drangen, weckte der Hund den Oranier. Die „heldenhafte“ Tat brachte dem Hund die Bezeichnung „Prinzenhondje“ ein. Ein andermal muss das Hondje tief geschlafen haben, denn Willem wurde 1584 in Delft ermordet. Sein Hund soll ihm kurz darauf in den Tod gefolgt sein. Bildhauer Henrick de Keyser (1614–1623) errichtete den beiden in Delft ein Denkmal. Auch bekannte niederländische Maler verewigten solche gescheckten Hunde auf Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Im Oranien-Nassau-Museum von Dillenburg,
in den großen Kunstmuseen von Amsterdam, Utrecht oder Den Haag kann man eine Reihe von Gemälden finden, auf denen Hunde dieses Typs abgebildet sind.
Die eigentliche Rolle seines Lebens aber spielte das Kooikerhondje beim einfachen Volk, als unentbehrlicher Helfer des Kooibas, des Entenfängers, und das schon seit mehr als 500 Jahren. In den wasserreichen Niederlanden war Wassergeflügel ein Hauptnahrungsmittel. Den vorüberziehenden Enten wurde im Entenkooi aufgelauert. Diese Koois sind Teiche, die von einem Gewirr aus Schilfverbauungen und Schilfmatten umgeben und teilweise auch überspannt sind. Sie sollten dem Wasserwild ein verlockendes Ter-rain zum Brüten und zu  Ausruhen versprechen. Weit gefehlt, denn bei den Koois handelte es sich um ausgeklügelte Fangvorrichtungen. Jeder Kooi besaß eine Fangröhre nach allen Himmelsrichtungen, die immer enger wurde und schließlich in einem Korb endete. Enten starten immer gegen den Wind, so dass man für alle Windverhältnisse gewappnet war. Man musste die Enten nur noch auf den Teich bekommen und sie dann in Richtung Röhre zum Start bewegen. Ganz raffinierte Kooibas setzten noch Lockenten ein, die am strategisch wichtigen
Punkt gefüttert wurden. Die wichtigste „Lockente“ jedoch war der Hund. Er lief ständig um die Schilfmatten herum, tauchte auf, verschwand wieder, ließ seine weiße Schwanzspitze aufblitzen, seine Signalfarben nur für den Bruchteil einer Sekunde aufleuchten, und lockte so die neugierigen Enten immer tiefer in Richtung Röhre. Dort drinnen, im schummrigen Licht, tauchte plötzlich der Kooibas auf, der sich bis dahin verborgen hielt, und erschreckte Do-vermeintliche Freiheit – und saßen in der Falle. Der Kooibas brauchte nur noch den Korbdeckel zu schließen. Das Kooikerhondje ist geräuschempfindlich, denn im Entenkoi herrschte absolute Ruhe. Kein Schuss peitschte, kein Treiber
brüllte. Lediglich die Enten schnatterten ein letztes Mal. Damals. Heutzutage werden Koois oft auch von Naturschutz-Organisationen gepachtet, die die Enten nur beringen und sie dann wieder in die Freiheit entlassen. Es gibt noch etwa 100 dieser Entenfang-Anlagen in Holland und etwa ebenso viele Hunde, die darin Dienst tun. Ein stilles Wasser Die meisten Kooikerhondjes „arbeiten“
heute aber als dufter Kumpel, ausdauernder Sportsfreund, gefühlvoller Begleiter ihrer Menschen. Waren es noch vor 10 Jahren verschwindend wenige in Deutschland, denn die meisten Holländer wollten ihren Nationalhund
damals für sich behalten, so gehen jetzt etwa 300 Hunde in Deutschland spazieren, gar keine in Österreich und wenige in der Schweiz. Wer ein Kooikerhondje kaufen möchte, der braucht zunächst einmal Geduld. Der nächste Züchter wohnt ganz sicher nicht „um die Ecke“ und die Würfe lassen auf sich warten. Die Züchter achten streng darauf, dass nur gesunde Hunde zur Verpaarung kommen und dass sich die Welpenkäufer eines Kooikers
würdig erweisen. Sicherlich ist das Kooikerhondje ein Hund, der (fast) jedem gefällt, der unter Hundehassern nicht Angst noch Schrecken verbreitet,
der auch in der Großstadt leben kann und der sich seinem Menschen gerne anpasst. Lieben aber wird er die freie Natur, das Graben nach Mäusen und Maulwürfen, das verrückte Umherrennen an Flüssen und Teichen, das Wälzen im Bäähhh, das lange Spazierengehen. Er kann (muss aber nicht) auch ein Wasserfreak sein und ist für Hundesportarten mit Power wie Agility und Breitensport geeignet. Sein Jagdtrieb ist nicht ausgeprägt, denn ein Jäger
war er nie, sondern eben „Lock ente“. Seine Nase ist zwar ständig in action, doch die Fährtenarbeit ist nicht sein „Ding“. Kooikers schauen lieber weit übers Revier und da entgeht ihnen nichts. Wer glaubt, sich von hinten ans Grundstück
anschleichen zu können, der irrt. Ein Kooiker sieht und hört alles und er meldet zuverlässig. Ängstliche Typen, die einen Beschützer suchen, und geräuschvolle
Familien mit Lärm aus Kehlen und Rekordern sollten ihm die Pein ersparen. Der Kooiker ist äußerst sensibel und lärmempfindlich. Stimmungen seiner Menschen übertragen sich auf ihn und wenn er nicht klare Führungsrichtlinien hat, dann
kann er schwierig werden. Die meisten Hondjes sind scheu und zurückhaltend fremden Menschen, Hunden, allen unbekannten Dingen gegenüber; es gibt aber auch Rüden, die, wie der von Willem dem Oranier, aufständisch sind, wen  ihnen etwas gegen den Strich geht. Dass das Hondje in den beiden Kriegen nicht gänzlich verschwand, liegt am Engagement der Baronesse Haerdenbroek
van Ammerstol aus Gossel/NL (1901–1986). 1939 beauftragte sie fahrende Händler, sich nach brauchbaren Hunden umzuschauen. Mit der aus Ostfriesland stammenden Hündin „Tommie“, in die sie Cockerspaniel und Keeshond und möglicherweise weitere Rassen einkreuzte, und mit den Rüden „Benni“ und „Bobbie“ begann die Zucht. Im Jahr 1942 fiel der erste Wurf. Damals erhielt das
Prinzenhondje seinen heutigen Namen, Kooikerhondje. Das erste reingezüchtete Exemplar wurde 1946 bei Raad von Beheer (dem niederländischen Hundezuchtverband) registriert. Gerade mal 10 Jahre alt Am 20. Dezember 1971 wurde die Rasse in Holland anerkannt, am 31. Januar 1991 folgte die internationale Anerkennung durch die F.C.I. Die Fans des bunten Vogelhundes sind zahlreich, die Besitzer noch selten, und das ist sicher
kein Nachteil für die Rasse.