Trekking-Guide

Outdoor ist „in“. Bei Hunden ohnehin, aber auch die Halter kommen auf den Geschmack. Und so wächst die Zahl der Spezialanbieter für Aktiv-Urlaub, vom Schlittenhund-Trail bis zur Wildwasser-Kanufahrt oder eben Trekkingtouren mit oder ohne Hund.

Soweit die Pfoten tragen

Zu Fuß durch die Arktis - das ist eine große Herausforderung für alle: Die Teilnehmer kommen an ihre Grenzen, körperlich, seelisch, nervlich und oft auch zwischenmenschlich. Dabei den eigenen Hund zur Seite zu haben und mit ihm Freuden, Mühen und das Lager zu teilen, ist tröstlich.
Wichtig ist eine sorgfältige Vorbereitung, damit keiner schlapp macht, weder Mensch, noch Hund. Der soll ja nicht zur Last werden, sondern im Idealfall eine solche abnehmen. Er kann einen Rucksack tragen oder einen Schlitten ziehen. Er dient überdies als Wachhund. Vor allem nachts, wenn im Camp alle schlafen, ist ein Hund sofort hellwach, wenn sich Wildtiere nähern. Und dort, wo es Eisbären gibt, muss der Guide auch einen „Bärenwächter“  mitnehmen, einen Hund, der weiß, worauf er zu achten hat.
Heiko Kühr war jahrelang unterwegs mit seinem Husky Hondo, der heute nicht mehr lebt und auch nicht durch einen neuen Hund ersetzt wurde. Es ist nämlich für den Trekkingguide gar nicht so leicht, sich übers Jahr um einen eigenen Hund zu kümmern. Wenn er für eine Tour einen Hund braucht, weiß Heiko Kühr, wo er einen ausleihen kann. Viel Hundeerfahrung braucht er als Outdoor-Experte allemal. Denn bringen seine Kunden ihren Hund mit, muss er dafür sorgen, dass sich die Tiere vertragen und sei es, durch die gezielte Auswahl des geliehenen Hundes.

Erfahrung ist Gold wert

Der Trekkingführer kennt natürlich alle Outdoor-Tricks und weiß, wie man mit gefährlichen Wildtieren oder anderen bedrohlichen Situationen umgeht. Er ist fit in Erster Hilfe speziell im Outdoor-Bereich, in Spaltenbergung und Lawinenrettung. Seine Erfahrung ist seine Stärke, und dazu er muss nicht schnell, sondern zäh und ausdauernd sein.
So hat auch Heiko Kühr (38), nach vielen Jahren als Extremsportler und Trekkingguide genug Wissen und Fitness, um selbstständig Touren in der Arktis auszuarbeiten und anbieten zu können. Seine Firma Namipunga (zu deutsch: Wo bin ich?) ist noch ganz jung und bietet im Jahr nur zwei geführte Touren an, auch für Teilnehmer mit Hund.

In Norwegen:

Trekkingführer ist man in dieser Gegend nach vielen Jahren harter Praxis, nach unzähligen eigenen Touren und vielen Erfahrungen. Trekking einfach so zu erlernen, das kann man nicht. Allein schon deshalb nicht, weil es nie einfach ist, mit unbekannten Gästen unberührte Natur, weites unbewohntes Land zu durchqueren. Jeder trägt mehr als 20 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken, aber der Guide trägt dazu eben noch die ganze Verantwortung.

Vom Job zum Beruf

Viele Führer jobben nur bei den größeren Trekkingveranstaltern, in den eigenen Ferien, zum Überbrücken von Erwerbslosigkeit, als Aussteiger aber manche auch aus Überzeugung, dass hier ihr beruflicher Lebensweg weitergeht. Erst mit den Jahren wird ein Guide den Sprung in die Selbstständigkeit wagen.
Während die meisten nur während der Saison Geld hinzu verdienen, bestreiten einige ihren Lebensunterhalt mit ihrem Know How, wie Heiko Kühr. Er fotografiert auch sehr gut und verkauft die Fotos, eine DVD und eine Bildershow. Er schreibt Abenteuerberichte und auch sein Buch „Trekking mit Hund“ liegt voll im Trend. All das entwickelte sich im Laufe der Jahre und war auch nicht von vorneherein so geplant.

Ausbildung hängt vom Land ab

In den Alpen ist die Bergführer-Ausbildung reglementiert und staatlich geprüft. Trekkingführer in Norwegen müssen sich dagegen selbst um ihre Ausbildung kümmern. Es gibt Outdoor-Schulungen, auf Spitzbergen etwa den „Svalbard-Guide Kurs“, der von Svalbard Reiseliv angeboten wird und der von erfahrenen Mitarbeitern des Sysselmannes, also des Gouverneurs, abgehalten wird. Das sind Biologen, Historiker, Geologen und Glaziologen, die ein breites Wissen vermitteln. Auflagen oder Beschränkungen gibt es auf Spitzbergen noch nicht, weil die Gegend sehr speziell ist, dennoch sei der Kurs Svalbardguide sehr zu empfehlen, rät Heiko Kühr. Von einer geregelten Ausbildung ist dieser Beruf dort aber noch weit entfernt.
Dagegen sind die Auflagen an Bergführer in Mitteleuropa wie Schweiz, Österreich und Italien sehr streng. Eine Bergführer-Ausbildung ist nur nach bestandener Aufnahmeprüfung möglich, welche wiederum von zwei Eignungstests abhängt. Die Ausbildung zum Bergführer dauert etwa vier Jahre, die Konkurrenz ist groß und der Beruf hat vieles von seinem Zauber verloren, wie der Bergführer-Verband (VDBS) schreibt: „Traumberuf Bergführer? Mit der Ganghofer-Romantik von einst hat der Beruf des Bergführers nicht mehr viel zu tun. Vielmehr ist er zum ‚knallharten’ Geschäft geworden, das - will man erfolgreich sein - mit sehr viel Aufwand und Einsatzbereitschaft geführt werden muss.“ Allerdings erwähnt Heiko Kühr, denkt man auch bei den Behörden in Norwegen über Vorschriften nach, zu groß ist die Verantwortung, die ein Trekkingführer hat.
Als Guide in Norwegen würde jedoch auch ein ausgebildeter Schweizer Bergführer fast bei Null anfangen, sagt Kühr,  „denn im Winter fährt man auf gefrorenem See-Eis mit dem Scooter (Schneemobil) und Eisbären gibt es in der Schweiz auch nicht, mit denen er Erfahrungen hätte sammeln können.“
„Das Einkommen“, sagt Heiko Kühr, „ hängt von der Qualität der geleisteten Arbeit ab, von der Zuverlässigkeit, vom Kundenfeedback, das man bekommt, davon ob man in extremen Wettersituationen noch immer sicher mit seinen Gästen ans Ziel kommt und natürlich vom eigenen Bekanntheitsgrad. Es nützt hier wenig nur Zertifikate in der Tasche zu haben, wenn die Tour-Operateure im Ort einen nicht kennen, man sich hier selber nicht auskennt und keinerlei Erfahrung hat im Winter wie im Sommer.“

Tipp für junge Leute

„Geht auf Tour und lernt so viel wie möglich. Gerade am Anfang muss man jeden Job annehmen, der sich bietet, nur so bekommt man Erfahrung. Was man frühzeitig lernen sollte, sind Sprachen. Vor allem Englisch, aber auch Norwegisch oder Schwedisch sind wichtig - zumindest für die Arbeit hier oben. Wer Schwedisch kann wird auch Norwegisch verstehen und umgekehrt. Ich spreche hier hauptsächlich Norwegisch und mit unseren mitteleuropäischen Gästen Englisch.
Norwegischkurse gibt es in Deutschland an den größeren Volkshochschulen. Am Besten belegt man einen Grundkurs und geht dann ins Ausland - allein - so ist man gezwungen Norwegisch zu sprechen!
Sein Englisch kann man gut verbessern, indem man sich Spielfilme in Originalton mit Deutschem oder englischem Untertitel ansieht. Das hilft ungemein und macht Spaß.“