Futterstreik kann Anzeichen für eine schwere Krankheit sein

Im Gegensatz zum Menschen zieren sich Tiere nicht am Futternapf. Wenn sie nicht fressen wollen, kann eine schwere Krankheit die Ursache sein. Wir sagen Ihnen, wie Sie den Ernstfall erkennen.

Alarmzeichen Futterstreik

Nicht einmal das geliebte Rinderherz würdigte Moritz eines Blickes: Seit zwei Tagen wollte er partout nichts fressen, egal, wie sehr seine Besitzerin auch um ihn bemüht war. Schließlich wurde es ihr doch zu mulmig und sie fragte den Tierarzt um Rat: So lange hatte Moritz schließlich noch nie gehungert und war auch sonst eher ein unkomplizierter Fresser.

Kein Hund hungert freiwillig ohne Grund

Der Tierarzt riet ihr, Moritz in die Praxis zu bringen. Bei der Untersuchung stellte er fest, dass durch Zahnstein einer der Backenzähne locker geworden war und Moritz vermutlich starke Schmerzen bereitete. Die anschließende Zahnbehandlung und Entfernung des lockeren Zahnes brachte Besserung: Schon am nächsten Tag stürzte sich Moritz wieder mit Appetit auf eine erste kleine Mahlzeit.

Appetitlosigkeit beim Hund ist ein klares Alarmsignal

Fälle wie der von Moritz machen einen Großteil der Patienten in einer Kleintierpraxis aus: Appetitlosigkeit ist eine häufige Begleiterscheinung bei sehr vielen Erkrankungen (siehe Kasten) und kann sowohl in Verbindung mit anderen Symptomen als auch als einziges Anzeichen auftreten. Wichtig ist dann, herauszufinden, ob es sich um eine vorübergehende Laune oder um ein ernsthaftes Problem handelt.

So regen Sie den Appetit an

Dabei sollten Sie als Tierbesitzer den Besuch beim Tierarzt nicht allzu lange aufschieben: Gerade Katzen reagieren oft sehr empfindlich auf längere Hungerperioden. Lassen Sie sich auch nicht von etwaigem Übergewicht Ihres Haustieres täuschen: Die Einstellung „Der kann ruhig ein paar Pfund weniger vertragen“ ist bei kranken Tieren unangebracht. Denn bei Krankheit baut der Körper wertvolle Reserven an Eiweiß ab und zehrt eben gerade nicht oder nur wenig an den Fettreserven. Zum Abspecken sollten die Tiere gesund sein und am besten unter tierärztlicher Aufsicht ihr Gewicht verlieren.

Angewärmtes Futter wird eher angenommen

Versuchen Sie bei hartnäckigen Kostverächtern zunächst einige Tricks, um das Futter schmackhaft zu machen: Hunde und Katzen mögen ihr Futter gerne auf Körpertemperatur (nicht wärmer) erhitzt. Ein wenig Hühnerfleischkonzentrat aus dem Babyregal (ohne Zwiebeln) wirkt oft Wunder. Bei Ziervögeln und Papageien sollte die Futterecke regelmäßig kontrolliert werden – oft ist verdorbenes Obst oder Gemüse die Ursache. Das gilt auch für Kaninchen und Nager. Zudem leiden diese oft an Zahnfehlstellungen durch mangelnden Abrieb und können dann trotz Appetit gar kein Futter mehr aufnehmen.

Zusätzliche Symptome signalisieren Gefahr

Alarmiert sollten Sie sein, wenn Ihr Tier mehrere Tage nichts oder nur wenig frisst, wenn weitere Krankheitsanzeichen wie Erbrechen, Durchfall oder Fieber hinzukommen oder wenn das Tier plötzlich an Gewicht verliert. Dazu ist es hilfreich, auch gesunde Tiere gelegentlich zu wiegen, um das Normalgewicht zu kennen. Nimmt das Tier um mehr als 10% ab, sind auf jeden Fall bereits Maßnahmen zur Unterstützung der Nahrungsaufnahme nötig.

Maßnahmen zur „künstlichen“ Ernährung
Dem Tierarzt stehen dabei neben appetitfördernden Medikamenten verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Sehr gut tolerieren Hunde und Katzen meist eine Nasenschlund-Sonde, die einige Tage im Patienten verbleiben kann. So kann der Tierarzt zumindest genug Nährstoffe eingeben, um die Funktionsfähigkeit des Magen-Darm-Traktes aufrechtzuerhalten, bis die Behandlung anschlägt. Dadurch lässt sich der Krankheitsverlauf meist positiv beeinflussen und die Tiere kommen schneller wieder auf die Beine.

Die Nährstoffe müssen rein – egal wie
Ist eine Nasenschlund-Sonde nicht praktikabel, z.B. nach Kopfverletzungen, kann auch ein Zugang über die Speiseröhre oder direkt durch die Bauchwand in den Magen geschaffen werden. Entscheidend ist, dass das Tier die Nährstoffe bekommt, die es braucht, insbesondere bei zehrenden Erkrankungen. Meist kehrt der Appetit mit der Genesung wieder, allerdings kann es vorkommen, dass ein bestimmtes Futter, das das Tier mit der Erkrankung in Verbindung bringt, künftig gemieden wird. (Text: Dr. med. vet. Thomas Görblich)

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