Hunde-Biathlon: Nur Team-Arbeit bringt Erfolg
Hunde-Biathlon ist eigentlich ein Vielseitigkeitswettbewerb für Diensthundeführer. Als Sport für jedermann ist diese Sportart noch ganz jung. Ein toller Spaß für Menschen und Hunde, die Freude am Laufen haben.

Fitness- und Teamförderung
Anfang der 90er-Jahre betrieben erste kleine Diensteinheiten Hunde-Biathlon zur Fitness und Teamförderung, z.B. in Holland. Internationaler Wettkampf- Charakter aber wurde dieser Sportart erst 1995 in der Schweiz verliehen. Die Schweizer Armee wollte einen Vielseitigkeitswettkampf schaffen, in dem Sportler vieler Nationen ihre Kräfte messen können. Der Diensthunde-Biathlon besteht aus einem Geländelauf zwischen sechs und etwa elf Kilometern mit angeleintem Hund. Die Laufstrecke ist mit Fähnchen und Bändern deutlich markiert. Unterwegs muss man 15 natürliche und künstliche Hindernisse wie z.B. Überklettern einer kleinen Mauer, Kriechen durch Röhren, Übersteigen von Autos, den Hund über alte Autoreifen tragen, bewältigen. Die Fantasie eines Streckenbauers kennt kaum Grenzen. Es muss nur machbar und ungefährlich sein. Außerdem muss der Hundeführer auf dem Fahrrad mit angeleintem Hund eine Strecke von ca. 500 m zurück legen und mit der Pistole acht bis zehn Wertungsschüsse abgeben. Es dürfen dabei nur auf den Schießplätzen bereitgelegteWaffen und Munition verwendet werden. Weiterhin muss der Hund ein Wasserbecken, einen Teich oder ein spezielles Hindernis ohne Leine durchqueren und am letzten Hindernis die Flucht eines Scheintäters verhindern.
Was ist das Besondere am Hunde-Biathlon?
Alles zählt. Die Kondition des Hundes und des Führers, die Team-Arbeit, die Bereitschaft des Hundes zum Ziehen während des Laufes und die Treffsicherheit beim Schießen. Richterentscheide spielen hingegen keine Rolle.
Welche Hunde eignen sich für diesen Sport?
Ideal ist ein relativ schlanker, kräftiger, spritziger Hund einer größeren Rasse. Er sollte gut führbar und umgänglich sein. Beim Diensthunde-Biathlon ist ein ausgesprochener Schutztrieb unumgänglich. Hunde Biathlon ohne Schutzdienst, manchmal Sporthunde-Cross genannt, kann grundsätzlich mit jedem Hund bewältigt werden. Ein ganz kleiner Hund wird zwar kaum genügend ziehen können, hat aber Vorteile, wenn er z.B. über kurze Strecken getragen werden muss. Außerdem ist er bei den niederen Hindernissen und beim Untendurchkriechen vermutlich flinker. Ganz große und schwere Hunde haben sicher Einschränkungen in der Kondition und ihre Besitzer wahrscheinlich beim Tragen. Wenn man aber mit der Einstellung startet, dass Mitmachen vor dem Rang zählt, ist grundsätzlich vieles denkbar.
Wie sieht das Training aus?
Ich gehe mit meinem Hund joggen. Dabei trägt Amigo eine Art Schlittenhundegeschirr und eine Leine, die ich mir um den Bauch gebunden habe. Dadurch kann ich beim Laufen die Arme frei schwingen. Meist werde ich dabei von Amigo sogar gezogen. Im Wettkampf soll er dann nämlich richtig kräftig auf Kommando ziehen. Das muss trainiert werden. Amigo hört wie ein Schlittenhund auf Wortkommandos. Er kennt links, rechts und, wenn es steil bergab geht, „langsam“. Außerdem mache ich sporadisches „Milieutraining“. Das heißt, ich lasse ihn beim täglichen Spaziergang auf einen Holzstoß springen oder ich schicke ihn durch eine Betonröhre etc. Den Rest kennt er vom Hundetraining im Hundeklub.
Was zieht man dazu an?
Die zivilen Anlässe werden in Sportbekleidung mit Turnschuhen ausgetragen. Im Diensthunde-Biathlon wird in Uniform bzw. im Arbeitsanzug (lange Hosen, T-Shirt und Turnschuhe) ohne Kopfbedeckung und Waffe gestartet. Die Startnummer muss während des ganzen Laufes gut sichtbar getragen werden. Der Diensthund ist mit normalem Halsband zu führen. Stachelhalsbänder oder Ähnliches sind nicht zugelassen. Das wird am Start kontrolliert.
Was sind die häufigsten Fehler?
Wenn man die Hindernisse zu hektisch passieren will, geht es sicher „in die Hose“. Es ist wichtig, die jeweilige Aufgaben ruhig anzugehen und dazu immer das passende Kommando zu verwenden, z.B. „Sprung“, wenn der Hund springen soll, oder „Tunnel“, wenn er durch eine Röhre oder ein anderes vergleichbares Hindernis kriechen soll.
Wo können Laien es lernen?
In Vereinen oder auch bei einigen privaten Hundeclubs. Die Sportart ist noch zu jung, um überall angeboten zu werden. Es müssen noch mehr spezielle Vereine heranwachsen.
Der Autor: STEFAN BAUMANN übt seit 1995 Hunde-Biathlon aus und war 2004 erfolgreichster Schweizer. So belegte der Polizeibeamte der Kantonspolizei Aargau mit seinem Deutschen Schäferhund Amigo bei der Swiss Open der Schweizerarmee, dem wichtigsten europäischen Wettkampf, hinter dem Tschechen Antonin Mühlfait den zweiten Platz in der Kategorie 2. Der 41-Jährige ist Präsident des Diensthunde-Biathlon Vereins Suisse.
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