Warum bellen Hunde?

Wieviel ein Hund bellt, hängt zwar auch von seiner Rasse und seiner Erziehung ab, aber es handelt sich auch um ein angeborenes Verhalten: es ist die Sprache der Vierbeiner. Wenn Ihr Hund bellt, will er Ihnen etwas sagen.

Die Sprache der Vierbeiner

Alle Hunde bellen, die einen mehr, die anderen weniger. Dackel bellen mehr als Bernhardiner, Schäferhunde mehr als Afghanen usw. Doch diese berühmt-berüchtigte „Bellfreudigkeit“ der Hunde ist nicht nur angeboren und rassespezifisch. Sie ist auch umweltabhängig, partnerabhängig, situationsabhängig: Ein Hund, der noch/doch „nichts zu sagen hat“, der bellt nicht. Einer, der „was Wichtigeres im Kopf hat“, auch nicht. Und einer, der, egal wer kommt, immer nur „spielen will“, erst recht nicht. Der erwachsene und zuständige Rudel- und Revierverteidiger aber, der bellt, immer, egal was ist.

Das Bellen enthält eine Botschaft

Warum bellen Hunde? Sie wollen ihren Partnern damit etwas sagen. Und was wollen sie sagen? Amerikanische Forscher haben das untersucht und herausgefunden: Hunde geben immer nur „widersprüchlichen Wortsalat“ von sich. Sie sagen in einer Tour nichts anderes als: „Kommher gehweg kommher gehweg kommher gehweg ...“ Aber dieses „Kommhergehweg“ ist offensichtlich nur für Menschenohren „Wortsalat“. Im Hunderudel ist es absolut verständlich und auch absolut ernst gemeint. Und jeder, der je eine komplette Hundefamilie hat aufwachsen sehen, der kennt dieses Signal und seine Folgen.

Bellen hat Signalwirkung

Die anderen erwachsenen Hunde kommen sofort und verteidigungsbereit in vorderster Linie zusammen, die Junghunde gehen vorsichtig auf Distanz, die Welpen flüchten – im Affenzahn und ins Gras geduckt – zurück in die sichere „Höhle“, und der Fremde, der sich unbefugt dem Rudelareal genähert hat, bleibt stehen, schickt ein Beschwichtigungssignal und verdrückt sich ... Unter Hunden ist dieser „Wortsalat“ eindeutig: Er ruft alle erwachsenen Rudelmitglieder zusammen: „Kommt her!“, er scheucht alle Welpen und Junghunde zurück: „Geht weg!“, und er sagt dem Fremden, dem Eindringling deutlich: „Hau ab!“

Hunde haben viele Kommunikationsmöglichkeiten
 
Hunde, als moderne, lernfähige Rudeltiere, verfügen über eine breite Palette von Kommunikationsmöglichkeiten. Und wenn sie mit anderen „reden“ wollen/müssen, dann benutzen sie in der Regel dazu vier unterschiedliche Kommunikationsebenen, vier unterschiedliche „Kanäle“:

  1. die Geruchsebene, auf der riechbare Zeichen gesetzt und verstanden werden,
  2. die taktile Ebene der fühlbaren Körperkontakte,
  3. die optische Ebene der sichtbaren Gesten,
  4. die akustische Ebene der hörbaren Signale.

Die ersten beiden Kommunikationsebenen setzen Körperkontakt voraus, die dritte funktioniert nur bei Sichtkontakt, die vierte aber überbrückt auch räumliche Entfernungen. Bellen ist also unter Hunden der Versuch, dem Partner oder Gegenüber ohne Sicht- und Körperkontakt auf Distanz etwas mitzuteilen, auf das der, aus Sicht des Hundes, sofort reagieren sollte. Hunde verstehen und reagieren auf solche „Anrufe“ schnell und immer richtig. Menschen aber müssen meist erst mal gucken, ehe sie reagieren: „Ach ja, die blöde Senta“, „Das ist doch bloß der Nachbar mit Fiffi ...“ oder „Sieh an, wir haben ja einen neuen Briefträger ...“ Und erst wenn sie – aus Hundesicht: endlich, endlich! – reagiert haben, stellt der Hund sein lautstarkes „Komm her“ ein ... dann bleibt nur noch das  lautstarke „Hau ab!“ nach draußen, und das umso mehr, je mehr ein Sichtschutzzaun sie daran hindert, die Reaktionen des anderen draußen zu beobachten, zu kontrollieren ...

Mitbellen nutzt nichts

Ein Sichtschutzzaun ist gut und effektiv, wenn man Menschen und Hunde trennen will. Menschen sind „Augentiere“, sie reagieren auf das, was sie sehen. Und wenn sie den Hund hinterm Zaun nicht sehen können, dann reagieren sie eben auch nicht – weder so noch so – dann „übersehen“ sie ihn einfach, was einem friedlichen Nebeneinander nur dienlich ist. Hunde aber sind keine „Augentiere“, Hunde hören den Trippelschritt ihres Lieblingsfeindes schon von weitem, sie riechen seine Nähe. Und wenn sie dann wegen des Sichtschutzzaunes nicht kontrollieren können, wie er reagiert, dann wiederholen sie ihr „Hau ab!“ eben so lange, bis ihnen Nase und Ohren signalisieren: „Der ist weg.“ Und was kann Mensch gegen zu viel hundliches „Komm-hergehweg!“ tun? Nun, das „Gehweg!“ ist kaum zu beeinflussen. Auf das „Kommher!“ aber kann und sollte ich reagieren, antworten, sofort und immer. Aber nicht mit „Ignorieren“, Abwarten und „Belohnen, wenn er das Bellen abgebrochen hatte“ oder gar mit Mitbellen: Schimpfen, Krachmachen oder Wasserspritzen. Wenn mein Hund mich ruft, und ich reagiere nicht, dann wird er mich lauter rufen. Wenn mein Hund mich ruft, und ich „mache“ irgendwas, dann kann er das – je nach Charakter – als Verstärkung oder Verunsicherung erleben, er kann noch an- oder noch aufgeregter, aber in jedem Fall: noch lautstärker werden ...

Geste mit Signalwirkung

Also ... verlasse ich diese ganze „akustische Ebene“: Ich zeige mich (= optische Ebene) meinen Hunden, ich stupse sie an (= taktile Ebene), ich rege mich nicht auf, im Gegenteil: Ich rieche (= Geruchsebene) geradezu nach fröhlicher Gelassenheit. Und mit einer kleinen Geste, mit einem Mini-akustischen Kontrapunkt, einem kurzen Pfiff oder einem- besser - sichtbaren Händeklatscher, der nur dieser Situation vorbehalten ist, signalisiere ich in ihre Aufgeregtheit "Achtung, jetzt ist Schmuse-Knuddel-Leckerli-Stunde! Und wer zu spät kommt, der kriegt nichts mehr ab" - sicher das wirkt nicht wie ein "Knopfdruck", aber es wirkt...