Die Behörden sehen genauer hin

In der Frage, wer wem Schadenersatz zahlen muss, sehen die Behörden und Versicherungen nicht mehr nur darauf, welcher Hund angeleint war oder nicht, sondern berücksichtigen auch die jeweiligen Umstände.

Hundebeißereien und ihre Folgen werden zunehmend nach dem Einzelfall beurteilen

Die Größe der Hunde und ihr tatsächliches, aggressives oder friedfertiges Verhalten zählen jetzt ebenso wie die richtige Reaktion des Halters in einer solchen Situation. Die Rasse an sich verliert an Bedeutung, seit das Bundesverfassungsgericht im März 2004 entschieden hat, dass die Rasselisten in den diversen Hundeverordnungen der Länder an der Realität zu überprüfen seien.

Rasselisten verlieren an Bedeutung

Zwar sind einige der Gelisteten wirklich besonders auffällig, die meisten davon sind es jedoch nicht. Viel häufiger werden andere Rassen in Beißereien verwickelt, sodass die Länder in ihren Hundeverordnungen solche willkürlichen Aufzählungen fallenlassen und nun von „gefährlichen Hunden“ sprechen. Solche Tiere mit übersteigerter Aggressivität oder ungehemmter Beißfreude können auch kleine Hunde sein. Zum Beispiel fiel im Land Brandenburg der Dackel auf und machte dort in der Beißstatistik seinem Ruf als Wadlzwicker traurige Ehre. Der Schaden und die Verletzungen durch einen kleinen Hund halten sich jedoch in Grenzen.

Sachkundenachweis bei großen Hunden

Dafür sind Großhunde aufgrund ihrer Statur umso mehr im Vorteil, wenn sie sich mit einem kleineren Artgenossen beißen. Weil dahinter fast immer ein Fehler des Halters zu erkennen ist, verlangt die 20/40-Regelung (groß ist über 20 Kilo oder 40 cm Schulterhöhe), dass der Halter eines großwüchsigen Tieres einen Sachkundenachweis erbringt (siehe Kasten).
Die Hundeverordnungen sollen eigentlich uns Menschen vor Hundeangriffen bewahren. Sie dienen aber indirekt auch als Schutz für Kleinhunde, die bei einer Auseinandersetzung mit einem größeren und kräftigeren Tier zwangsläufig den Kürzeren ziehen, während zwei  gleichgroße Hunde sich einen fairen Kampf liefern können.

© Isabella Lauer

aus "Partner Hund" 05/2008, S. 38